Bernd Förys Fährtenausbildung

Einleitung

Die Grundstimmung beim Fährten soll sowohl beim Hund als auch beim Hundeführer immer ruhig, ausgeglichen und konzentriert sein. Jegliche Hektik, jeglicher Zwang beeinträchtigen das Lernverhalten negativ und führen nicht zum gewünschten Resultat:
dem selbstsicheren und selbständig arbeitenden Fährtenhund.

Die Gesamtübung

* korrekte Aufnahme der Fährte
* sicheres Halten der Fährte in gleichmäßigem Tempo
* korrektes Verweisen der Gegenstände und
* saubere Winkelarbeit

setzt sich aus vielen Einzelübungen zusammen, die wir auch separat trainieren. Die einzelnen Übungen werden erst dann ganz oder teilweise wieder zusammengesetzt, wenn die Einzelübungen sicher und zuverlässig gezeigt werden.

Junghundaufbau

Das Fährtentraining beginnen wir beim Welpen sofort nach der Eingewöhnungsphase im Alter von ca. 15 Wochen.

Der Hund lernt, auf Kommando „Such“ nichts anderes zu tun, als den Kopf herunterzunehmen und (nach Futter) zu suchen.

Vorgehensweise:
Der Hund wird von einer zweiten Person in ca. 3 m Abstand gehalten und darf zuschauen, während der Hundeführer ein klar abgetretenes Quadrat abtritt, ca. 1 x 1 m, wobei kleine Futterbröckelchen offensichtlich in dem Quadrat verteilt werden.

Anschließend darf der Hund sofort das Futter aufnehmen, wobei immer bei hörbarer Nasentätigkeit bzw. Auffinden eines Futters
das Kommando „Such“ verwendet wird.

Der Hund wird sanft (nicht am Halsband herausziehen) aus dem Quadrat genommen, bevor alles Futter aufgenommen ist. Damit wird eine Steigerung des Triebes auf die Fährte (Hund weiß, dass von letztem Mal noch was liegen muss) erreicht.

Sollte der Hund das ausgetretene Quadrat verlassen, wird nicht sofort eingewirkt! Wir beobachten, ob der Hund sich selbständig wieder zurück dem Quadrat widmet (dann wird der Hund kräftig gelobt) oder das Interesse an dem Abgang verliert (dann wird der Trieb auf das Quadrat verstärkt durch Streitigmachen des Futters).

Steigerung/Festigung:

* Verkleinerung des Futters
* „Verstecken“ des Futters (unter Gras bzw. Andrücken im Ackerboden)
* Der Hund schaut beim Legen nicht mehr zu
* Wir verlangen vor dem Suchen eine Grundstellung (ohne Zwangseinwirkung)
* Abänderung der Abgangsform langsam in ein Dreieck
* Sobald der Hund, wenn er aus irgendwelchen Umstände vom Quadrat abgekommen ist, sich selbständig umgehend wieder
* zurückorientiert, kann der nächste Schritt in Angriff genommen werden.

Ausgehend von dem Dreieck wird jetzt eine durchgehende Spur von ca. 20 m Länge gelegt, das Ende ist wieder ein Dreieck. Wichtig ist hierbei, dass wirklich ein Fuß vor den anderen gesetzt wird (einspurig), so dass im jetzigen Stadium keine Unterbrechung vorkommt. Hier wird keine Gerade gelegt: Der Hund soll am Anfang lernen, dass in jedem Schritt ein Richtungswechsel vorkommen kann und nicht blindlings gerade aus laufen. In den Dreiecken sowie in jedem Schritt wird ein Futterbröckelchen deponiert.

Der Hund wird wie gewohnt sein Dreieck absuchen und wenn alles Futter aufgenommen ist, sich der direkt anschließenden Spur widmen, diese verfolgen und auch wie gewohnt jedes Futter aufnehmen. Sollte auf der Fährte aus irgendwelchen Gründen Hektik auftreten oder das Suchtempo zu schnell sein, findet der Hund spätestens in dem gewohnten Dreieck am Ende wieder Ruhe.

Nach und nach wird der Abstand zwischen den Schritten vergrößert bis wir die normale Schrittweite erreicht haben (noch immer in jedem Fußtritt ein Futterbröckelchen), aber immer noch wird ein Fußabtritt vor den vorhergehenden gesetzt (einspurig). Erst wenn der Hund bei dieser Fährtenfolge gelernt hat, jeden Schritt abzusuchen, können wir beginnen, die Schritte versetzt zu setzen. Beginnen wir mit dem „versetzt“-Legen zu früh (d.h. bei kleinen Schritten), kann es passieren, dass der Hund nur noch die rechte oder linke Spur sucht und nicht mehr jeden Schritt. Daher erst „versetzt“ Legen, wenn die Schrittlänge annähernd normal ist und der Hund gelernt hat, jeden Tritt abzusuchen.

Ist dieser Grundstein korrekt gelegt, dürfte der weitere Aufbau keine großen Probleme mehr aufwerfen.

Fährtenausbildung

In jeder Trainingseinheit wird gezielt mehr gefordert:

* Fährtenlänge
* Schrittlänge
* Versetzte Schritte (normale Gangart)
* Futterreduzierung
* Winkelarbeit, spitze Winkel, Bögen
* Liegedauer
* Wetterverhältnisse
* Bodenverhältnisse

Dabei muss aber immer berücksichtigt werden, dass der Hund nicht überfordert wird. Ist die Fährte vom Wetter oder der Bodenbeschaffenheit schwerer, als was der Hund bisher kann, muss die Fährte von den anderen Komponenten her so gestaltet sein,
dass der Hund dennoch einen Lernerfolg hat, d. h. ggfs. wieder mehr Futter, kleinere Schritte, deutlichere Schritte, ...

Bei dem Aufbau werden wir feststellen, dass der Hund irgendwann mit gewissen Sachverhalten Probleme hat oder aber dass er sich durch das Futter nicht mehr ausreichend motivieren lässt.

Dann ist es an der Zeit, das Hauptcharakteristikum von Bernd Föry´s Fährtenarbeit anzuwenden: die Fotodöschen.

Arbeit mit Fotodöschen

Mit Hilfe dieser Döschen ist es möglich, dem Hund eine besondere Belohnung zu bieten und den Trieb auf die Fährte zu steigern. In den Döschen wird i. d. R. ebenfalls Futter deponiert, das für den Hund allerdings einen höheren Stellenwert haben muss als das auf der Fährte befindliche Futter, z. B. kann Wurst, Käse, Fleisch, Nassfutter, u.s.w. verwendet werden. Da das Döschen (wenn der Hund das Prinzip begriffen hat) luftdicht verschlossen werden kann, wird der Fährtengeruch selbst wenig beeinträchtigt (wichtig insbesondere bei Gegenwind, bei Seitenwind, wenn das Döschen hinter einem Winkel deponiert wird, oder bei Verwendung eines geruchsintensiven Futters).

Desweiteren kann das Döschen im Boden versteckt werden, so dass der Hund danach graben muss, um an den Inhalt zu gelangen. I. d. R. haben die Hunde sehr viel Spaß an dieser Art der Futtersuche.

Zu Beginn wird dem Hund unabhängig von der Fährte das Döschen interessant gemacht und gezeigt, dass sich darin etwas Leckeres verbirgt. Das kann beim spazieren gehen, in der Wohnung, ... trainiert werden. Auf der Fährte selbst wird das Döschen zuerst offen (ohne Deckel), relativ leicht auffindbar, aber immer in einen Fußabtritt gelegt. Sobald der Hund mit der Nase am Döschen angekommen ist und kurz stockt, wird der Trieb darauf noch gesteigert: heftiges Loben des Hundes, spielen mit dem Döschen, Streitigmachen des Inhalts, ... Zeigt der Hund von sich aus reges Interesse bei Erreichen des Döschens kann das Auffinden etwas erschwert werden, indem das Döschen zuerst halb, dann ganz geschlossen wird, und gleichzeitig immer mehr im Boden vergraben wird, bis der Deckel mit dem Boden eine Ebene bildet, ggfs. auch unterhalb der Erdoberfläche, leicht bedeckt mit Erde (aber immer im Fußabtritt!).

Im Laufe der Ausbildung werden die Döschen immer dann eingesetzt, wenn der Hundeführer der Ansicht ist, dass die Anforderung besonders hoch war: z. B. Winkelarbeit, Geländewechsel, Weg/Straße, Verleitung, große Wasserlache, „schlechtes“ Gelände, ...

Auch bei der Behebung von Problemen bereits „ausgebildeter“ Hunde sind die Fotodöschen ein hervorragendes Hilfsmittel: Insbesondere bei der Regulierung der Suchgeschwindigkeit finden sie Anwendung, da viele Probleme auf nicht angepasster Geschwindigkeit basieren (Winkel überlaufen, Gegenstand überlaufen, Fährte verlieren, ...).

Wenn der Hund z. B. Winkel überläuft, bleibt der Hundeführer noch vor dem Winkel stehen, zieht den Hund zurück und schimpft dabei mit ihm. Der Hund wird dann wieder (ca. 5 Schritte) vor dem Winkel neu angesetzt, überläuft er den Winkel abermals, wiederholen wir das Ganze. Erst wenn der Hund sich bemüht und den Winkel selbständig ohne größere Hilfe erschnüffelt, erhält er seine Belohnung (Döschen nach dem Winkel). Wenn wir der Meinung sind, der Hund könnte den Winkel locker suchen, er es aber nicht tut, können wir zur Strafe das Döschen wegnehmen, ohne dass der Hund die Bestätigung erhält. Nach einiger Zeit wird der Hund sehr schnell begreifen, dass wenn er den Winkel sauber ausarbeitet, er dafür seine Belohnung bekommt, wenn er es aber nicht tut, es für ihn unangenehm werden kann.

Gegenstandsarbeit

Bevor die Gegenstände auf der Fährte eingebaut werden, sollte der Hund außerhalb der Fährte lernen, was er an einem Gegenstand
zu tun hat. Voraussetzung für die Gegenstandsarbeit ist, dass der Hund das Kommando „Platz“ beherrscht.

Eine Möglichkeit, ihm die Gegenstandsarbeit beizubringen, basiert auf der Döschenarbeit: der Hund darf zuschauen, wie der Hundeführer ein Döschen mit Futter präpariert und dieses Döschen in einem geeigneten Gegenstand versteckt (Socke,
Ledermäppchen, ...). Der Gegenstand wird ca. 2 m vom Hund (der von einer zweiten Person festgehalten wird) entfernt auf den Boden gelegt, wobei der Hundeführer eine gewisse Spannung auf den Gegenstand aufbauen muss. Er geht zum Hund und begleitet diesen bis an den Gegenstand, wo er mit dem Kommando „Platz“ den Hund so am Gegenstand ablegt, dass es der korrekten Verweisposition entspricht, wobei ein Belästigen des Gegenstandes unbedingt zu vermeiden ist. Liegt der Hund korrekt, wird sofort das Döschen aus dem Gegenstand genommen und dem Hund gegeben. Beim Bestätigen mit dem Döschen muss darauf geachtet werden, dass der Hundeführer immer von vorne zum Kopf des Hundes geht und die Bestätigung auch immer von vorne bekommt. So erreichen wir, dass der Hund in Erwartung der Bestätigung von vorne sich nicht zum Hundeführer sondern zum Gegenstand ausrichtet (kein schräges Verweisen).

Wenn der Hund diese Übung begriffen hat, wird er frei auf Distanz an den Gegenstand gelassen. Als Belohnung folgt immer die Bestätigung aus dem Döschen. Nach einiger Zeit sollte der Hund selbständig zum Gegenstand gehen, diesen ohne Kommando oder sonstige Hilfe korrekt verweisen.

Wenn auch diese Übung vom Hund begriffen wurde, können die Gegenstände auf der Fährte eingebaut werden. Die Fährte besteht zu Beginn nur aus einer Geraden mit mehreren Gegenständen, wobei der Hund jetzt Döschen nur in den Gegenständen findet. Wenn wir auf der Gegenstandsgeraden auch Döschen im Boden vergraben würden, könnte es passieren, dass der Hund lieber die „nur“ eingegrabenen Döschen annimmt, als für ein Gegenstands-Döschen die Fährte zu unterbrechen und Platz zu machen (dies wäre der einfachere und für den Hund interessantere Weg, an das Futter zu kommen).

In der Lernphase befindet sich der Hundeführer direkt neben dem Hund, wenn dieser an den Gegenstand gelangt und hilft ihm mit Kommando Platz in das erlernte Verhalten, und bestätigt noch immer über das Döschen aus dem Gegenstand. Ist auch diese Übung gefestigt, werden die Gegenstände ohne Döschen auf die Fährte gelegt. Die Bestätigung kommt wie gewohnt von vorne, nun aber in Form von offenem Futter aus der Hand des Hundeführers. Gefüttert wird sofort, wenn der Hund liegt, und direkt über dem Gegenstand, so dass eine Verknüpfung mit dem Gegenstand erhalten bleibt. Der Zeitabstand zwischen Verweisen und Bestätigung wird nun ausgedehnt, auch der Abstand des Hundeführers zum Hund beim Erreichen des Gegenstandes wird vergrößert.

Training des ausgebildeten Hundes

Die Bestätigungen über Futter am Abgang und auf der Fährte, Döschen bei Schwierigkeiten und Futter am Gegenstand (aus der Hand des Hundeführers) erhält der Hund, solange er trainiert wird. Es wird lediglich gelegentlich eine Gerade, ein oder zwei Winkel, ein Gegenstand ohne Bestätigung eingebaut, um vor einer Prüfung eine Kontrolle zu haben, ob der Hund das Gelernte auch ohne Bestätigung ausführt.

Schlusswort

Der Einsatz der Döschen sollte wie Medizin verabreicht werden: soviel wie nötig, so wenig wie möglich. Oder aber: „große Schmerzen – viel Medizin, kleine Schmerzen – wenig Medizin“.

Seit ca. 1994 arbeiten wir nach dieser Methode, mit verschiedenen Hunderassen, mit unterschiedlicher Veranlagung und Triebverhalten und unterschiedlichem Ausbildungsstand. Alle Hunde arbeiten zuverlässig, selbstsicher und vor allen Dingen engagiert.

Einzige nennenswerte Nebenerscheinung bei unseren Beobachtungen ist, dass es eventuell – aber äußerst selten – bei der Prüfung passieren kann, dass der Hund sich kurz an einem Mäuseloch aufhält und sich vergewissert, ob da nicht ein Döschen versteckt ist.

Aber lieber immer ein „V“ in der Fährte als einmal „100“ und das nächste Mal gerade noch so durchkommen.

Weiterhin viel Spaß bei der Arbeit mit Euren Hunden

Euer Bernd Föry

Copyright Bernd Föry 2002

Bernd Föry ist Ausbildungsleiter beim HSV Schwenningen. Er selbst, sowie mit ihm trainierende Hundeführer erreichten mehrmals Siege und vordere Platzierungen bei Deutschen und internationalen Meisterschaften. Durch Seminare im In- und Ausland gibt er sein Wissen weiter.
Wir danken für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieses Beitrags auf unserer Homepage.